Ein Mittelständler als Platzhirsch

BurSped in der DVZ

Der Hamburger Stückgutmarkt ist ein attraktiver Markt. Zwischen 8000 und 10.000 t dürften nach Schätzungen von Marktkennern täglich von und nach Hamburg verladen werden – offizielle Statistiken gibt es nicht. Der Hafen, die Nähe zu Skandinavien und das hohe lokale Aufkommen locken. Alle wichtigen Netze – seien es die Konzerne oder auch die mittelständischen Verbünde – sind präsent.

Als Marktführer gilt seit einigen Jahren das mittelständische Speditionsunternehmen Bursped. Jeden Abend werden circa 1500 t Sammelgut an den Rampen der Bursped-Anlage in der Hamburger Halske-Straße für Bestimmungsorte in ganz Deutschland sowie Europa verladen, im Laufe der Nacht kommen etwa 600 t im Eingang herein. Rund 50 Linien unterhält Bursped deutschlandweit meist im Begegnungsverkehr.

Das Bursped-Netz steht auf zwei Beinen: So ist das Unternehmen seit 2002 Partner der Speditionskooperation Cargoline. Parallel zu den Cargoline-Verkehren hielt Bursped aber an den gewachsenen Beziehungen wie beispielsweise zur Emons Spedition fest. „So fahren wir etwa 60 Prozent unseres Aufkommens im Cargoline-Netz, den Rest mit den übrigen Partnern“, schätzt der geschäftsführende Gesellschafter der Unternehmensgruppe Stefan Seils.

Das Stückgutgeschäft ist zweifelsfrei das Herz der 1948 gegründeten Speditionsgruppe. Günther Brümmer und Hugo von Rautenkrantz begannen damals mit einem LKW.

Bei der Namensfindung gingen die beiden Gründer praktisch vor: Brümmer und Rautenkrantz – kurz Bur – hinzu kam das „sped“ für Spedition – fertig.

Aus dem einen LKW der beiden Gründer ist in den vergangenen 65 Jahren eine Unternehmensgruppe geworden, die 1991 an die nächste Generation übergeben wurde. Seitdem führt Seils (einer der Schwiegersöhne des Gründers Günther Brümmer) das Unternehmen. Hugo von Rautenkrantz hatte sich bereits in den 60er Jahren aus dem Unternehmen zurückgezogen, so dass die Bursped-Anteile heute in den Händen der zweiten Generation liegen.

900 Mitarbeiter in der Gruppe

Zur Unternehmensgruppe zählt nicht nur die Bursped-Spedition, sondern auch das Transportunternehmen Elkawe mit rund 45 eigenen LKW. Die Fahrzeuge werden auf den Nachtlinien von Bursped eingesetzt, aber auch quasi werkverkehrsähnlich für einzelne Kunden. So ist Elkawe beispielsweise für den Outdoor-Spezialisten Globetrotter in der deutschlandweiten Filialbelieferung aktiv.

Hinzu kommt das Hannoveraner Stückgutunternehmen Köster & Hapke sowie die Bursped Logistik, die sich auf das reine Teil- und Komplettbefrachtungsgeschäft konzentriert. Schließlich hält Bursped Beteiligungen an der BHS Spedition in Bremen (33 Prozent) sowie an dem Bremer Kontraktlogistiker Lorel (50 Prozent). Insgesamt sind in den rechtlich eigenständigen Unternehmen rund 900 Mitarbeiter tätig.

Herz der Gruppe ist die Spedition Bursped mit ihren rund 400 Mitarbeitern. Mit betriebswirtschaftlichen Zahlen ist Seils hanseatisch zurückhaltend. Der Blick in den Bundesanzeiger weist jedoch für 2012 einen Umsatz von gut 77 Mio. EUR – und einen Ertrag von etwa 2,6 Mio. EUR aus. Das vergangene Jahr sei ähnlich verlaufen, deutet Seils an.

Den Gruppenumsatz beziffert Seils auf 175 Mio. EUR, zum Ertrag will er auch hier nichts sagen. Nur so viel: „Seit Jahren schreibt die Gruppe solide schwarze Zahlen und benötigt keine fremden Betriebsmittel, da das verdiente Geld im Rahmen der `Familienverfassung` im Unternehmen verbleibt.“

Über das Stückgutgeschäft hinaus ist Bursped in Hamburg auch in der Seefracht aktiv. Nicht in Konkurrenz um massenhafte Abfertigungen, eher „für kleinere Sendungen, die liebevoller behandelt werden müssen“, umschreibt Seils die Waren, die eine spezielle, individuelle Abfertigung erfordern – und nennt als Beispiel Teeimporte. Rund 15 Mitarbeiter dieser Sparte erwirtschaften immerhin einen Umsatz von 5 bis 6 Mio. EUR.

Seit 2010 in der Kontraktlogistik

Neues Geschäftsfeld ist seit Ende 2010 die Kontraktlogistik – fast gezwungenermaßen, wie Seils zugibt. War bis zu diesem Zeitpunkt eine rund 35.000 m² große Anlage in Hamburg vermietet, musste sich Seils nach der Kündigung des Mieters etwas überlegen. Ihm kam dabei die 2011 steigende Nachfrage nach Lagerflächen zugute. Inzwischen sind nach erheblichen Investitionen in die Technik und Regale circa 45.000 m² vorhanden, die komplett bewirtschaftet werden. „Wir vermieten dabei nicht nur, sondern bieten auch Mehrwertleistungen an“, unterstreicht Seils den Wandel. Rund 4 Mio. EUR steuert dieses Geschäftsfeld inzwischen zum Bursped-Umsatz bei. „Das Glück des Booms hat uns dabei zweifellos geholfen“, gibt Seils unumwunden zu.

Doch wie hat es ein inhabergeführtes, mittelständisches Unternehmen geschafft, gerade im hart umkämpften Stückgutmarkt eine führende Position zu erreichen? Für Seils ist die Qualität der Mitarbeiter der wesentliche Erfolgsfaktor. Denn Dienstleistungen hängen nun einmal von Menschen ab – und auch beim Stückgutgeschäft sind an allen Schnittstellen Menschen gefordert, lautet sein Credo. „Was hilft es mir letztlich, wenn ich heute 1 Mio. EUR an Mitarbeitern spare, aber in den kommenden beiden Jahren 10 Mio. EUR Umsatz aus Qualitätsgründen verliere?“

Und: „Alle sprechen zwar von Verschlankung, doch die Kunden wollen immer mehr Zusatzleistungen. Sie haben spezielle Wünsche bei Abholung und Anlieferung, der Kommissionierung oder Neutralisierung von Waren.“ Zudem sei die Branche noch ein gutes Stück von der immer wieder prophezeiten Industrialisierung entfernt.

Seils bezieht dabei die Subunternehmer, die Bursped einsetzt, ausdrücklich ein. „Viele Kunden wollen einen Stammfahrer bei der Abholung, der die dortigen Eigenheiten kennt“, stellt er immer wieder fest. Und: „Die Fahrer sind auch unsere Akquisiteure.“

Ein zweiter Faktor ist die gemischte Kundenstruktur – von ganz großen Mittelständlern wie dem Schraubenhändler Rehyer bis hin zu ganz kleinen Kunden. Dabei legen Kunden vor allem Wert auf „langjährige, gefestigte Beziehungen, auf Qualität, Verlässlichkeit und Servicebereitschaft“, stellt Seils immer wieder fest. Dies empfindet er als große Chance für inhabergeführte Mittelständler in ihren jeweiligen Heimatregionen.

Langfristige Ausrichtung

Wichtig ist dem Unternehmer schließlich die langfristige Ausrichtung des Tuns – gegenüber Kunden, Mitarbeitern und Dienstleistern. „Die langfristige Entwicklung ist wichtig – nicht unbedingt das einzelne Quartalsergebnis“, nennt er einen wesentlichen Vorteil von mittelständischen Unternehmen. Hierbei helfe auch die Kollegialität innerhalb des Cargoline-Verbunds, dessen Beiratsvorsitzender der Jurist Seils ist. „Dort analysieren wir gemeinsam die wirtschaftlichen Zahlen, damit sich jeder Unternehmer selbst überprüfen kann.“

Als zentrale Herausforderung für die Zukunft sieht Seils den Spagat zwischen der geforderten hohen Qualität, gleichzeitig steigenden Kosten und dem harten Wettbewerb. „Die Anforderungen an Laufzeiten und Stabilität von Netzen steigen, während gleichzeitig auch die Kunden immer mehr unter Kostendruck geraten“, lautet seine Einschätzung. Zudem werde es immer schwieriger, gute Mitarbeiter zu finden und zu halten. Deshalb setzt Seils auf eine sehr hohe Ausbildungsquote in seinen Unternehmen, unterstützt Mitarbeiter bei Studien, macht innerbetriebliche Fortbildung und lässt sie sehr selbstständig arbeiten – was sich positiv auf die Motivation auswirke.

In diesem Umfeld will Seils weiter kontinuierlich wachsen – „vor allem organisch und nicht um jeden Preis“. Zukäufe sind keine gewollte Strategie, sondern kämen eigentlich nur infrage, „wenn sie wirklich passen“, schränkt der Unternehmer ein, und denkt da – wenn überhaupt – an regionale Gelegenheiten.

In den Geschäftsfeldern Seefracht und Kontraktlogistik sieht er großes Weiterentwicklungspotenzial. Im Landverkehr sieht er die deutschlandweite Abdeckung als gegeben, strebt aber eine höhere Frequenz, mehr Direktverkehre und Zielstationen an – „desto besser und kostengünstiger können wir unsere Leistung produzieren“, weiß er.

Expansionsmöglichkeiten sieht er vor allem im internationalen Verkehr. Stark sieht sich Bursped da schon mit den Linien in angrenzende Länder wie Frankreich, den Niederlanden, Österreich oder die Schweiz aufgestellt, doch auch Verkehre in Richtung Polen, Tschechien oder Osteuropa hat Seils fest im Blick.

Trotz aller Klagen über den bestehenden Margendruck kann Stückgut unverändert Spaß machen und zu einem „vernünftigen Auskommen“ führen, will Seils trotz der nicht einfachen Marktsituation auch in Hamburg nicht in die immer wieder gesungenen Klagelieder einstimmen. So ist er für die kommenden Jahre durchaus zuversichtlich. „Mit unserem hohen Qualitätsanspruch, guten Mitarbeitern und Zuverlässigkeit werden wir auch dann noch unsere Existenzberechtigung haben“, ist er fest überzeugt.